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Re: Spielerei2

Geschrieben von: Herbert Nickel
Datum: 7.März 2021, 02:43 Uhr

Antwort auf: Spielerei2 (Tim)

Liebe Leute,

zunächst Rumänien: Ich sollte Siebenbürgen sagen, dort bleibe ich bei meiner Aussage, dass es trotz stark zunehmender Umweltprobleme der Natur und v.a. der Biodiversität 100 mal besser geht als bei uns (ungelogen, ich fahre seit Jahren immer wieder hin und empfehle es allen wärmstens!!!). Schaut einfach mal über Google Earth in die Umgebung von Cluj, Sibiu oder Sighisoara. Natürlich werden die nächsten Jahrzehnte dort verheerende Auswirkungen haben (Landgrabbing), aber jetzt ist es eben noch vielerorts wunderschön. Andere Teile Rumäniens, besonders die Walachei und die Dobrudscha, sehen leider anders aus, das war aber möglicherweise schon zuzeiten Ceausescus so. Da lasse ich mich aber gerne aufklären.

Ansonsten ist dieses Thema zu komplex, als dass wir da selber unsere eigenen Schlüsse nicht andauernd hinterfragen sollten. Und jeder muss sich natürlich klar drüber sein, was seine Perspektive ist: welche Gruppe kennt er besonders gut und v.a. wie mobil ist diese Gruppe? Dazu gleich: das meiste, was die Biomasse in den Malaisefallen ausmacht, sind vmtl. Dipteren; die fliegen weit rum und wir bestimmen sie zum allergrößten Teil gar nicht, wissen also nichts über ihre Biologie und darüber, ob und wie sie auf Neonics reagieren. Ich lasse mich aber gerne korrigieren, aber außer vielleicht ein paar Schwebfliegen wird da nichts untersucht worden sein. Ich selber habe für meine Zikaden Schwierigkeiten zu glauben, dass sie wegen der Neonics abnehmen. A) ist es nicht untersucht, B) dürften sie abgesehen von Weg- und Grabenrändern in ihren Hauptlebensräumen Grasland und Wald schlicht nicht dem Zeug exponiert sein. Bzw. von genau dort habe ich saubere Daten, dass sie durch die Intensität der Landnutzung UND LANDSCHAFTSPFLEGE dramatisch reduziert werden ,während meine Kontrollflächen DIREKT DANEBEN arten- und individuenreich sind.

Wenn wir uns zu sehr auf die Neonics einschießen, lassen wir andere Erklärungen aus den Augen. Unsere Bienen haben schlicht keine Blüten mehr. Wird ja alles 5 mal im Jahr gemäht, was soll da blühen? Selbst viele NSGs werden mehrfach gemäht oder eben von viel zu großen Schafherden geplättet. Da steht keine Blüte mehr danach. Die Carabiden finden das auch nicht gut. Außerdem werden ja auch die Stoppeläcker sofort nach der Ernte untergepflügt, so dass die Nahrungskette, die auf Ausfallgetreide und generell Pflanzensamen basiert, völlig aus der Landschaft verschwindet. Unter den Vögeln haben in den letzten Jahrzehnten die Samenfresser stärker abgenommen als die Insektenfresser!!! Pflanzen, die 5mal gemäht werden, können vielleicht noch blühen, aber garantiert nicht fruchten.

Der ständige und allgegenwärtige Maschineneinsatz uniformiert und plättet die ganze Landschaft, jegliches Relief verschwindet, damit u.a. Nistplätze für Bienen und strukturelle Diversität generell. Wenn in dieser Landschaft dann noch die zweifellos tödlichen Gifte obendrauf kommen ..... ist dann überhaupt noch was da, um es zu töten?

Und am Ende: Der Dung der Weidetiere fehlt oder ist durch Antiparasitika vergiftet. Meine Lieblings-Milchmädchenrechnung: 1 einzige Kuh AUF DER WEIDE - NICHT IM STALL - kann im Jahr 50-100 kg Insektenbiomasse in die Landschaft scheißen. Wieviele Malaisefallen-Kopfdosen würde das füllen?

Grüße von Herbert

> Rumänien kann gar kein Vorbild für Deutschland sein. Die Darstellung
> des Herrn Nickel schätze ich überhaupt nicht. Sie ist viel zu simpel.
> Die Umwelt-Probleme in RO sind gewaltig...

> Apropos heile Welt: Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) ist eine
> Vogelart, deren Bestände immer dünner geworden sind. Wegen der
> intensiv betriebenen Landwirtschaft ist die Zahl der Schwalben in
> Rumänien stark zurückgegangen...

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