www.entomologie.de
[Hauptseite] [Diskussionsforum] [Newsgruppen] [Mailinglisten] [Vereine] [Links] [Adressen] [E-Mail] [Museen] [Impressum/Kontakt]

[ Thread ansehen ] [ Antwort schreiben ] [ Zurück zum Index ] [ Vorheriger Beitrag ] [ Nächster Beitrag ]

Re: Ameisenspezialist gefragt

Geschrieben von: Holger Martz
Datum: 26.Januar 2021, 11:59 Uhr

Antwort auf: Ameisenspezialist gefragt (Maier Georg)

Hallo Herr Maier,

prinzipiell kann das jedem Ameisenhügel passieren, dass er über den Winter an Höhe verliert, sei es, weil er durch Schneelast zusammengepresst und / oder in die Breite gedrückt wird bzw. am Hang Material einfach abrutscht. Oder es kommt neugieriges Getier und wühlt das Ganze auseinander, oder der Regen spült Material langsam zu den Seiten. Auch wenn das Baumaterial im Inneren lagsam verrottet, kann es zu Absackungen kommen, selbst dann, wenn ein Baumstumpf die Grundlage bildet. Zusätzlich gibt es Hohlräume, die die Ameisen selber schaffen (Brutkammern für Larven und Puppen), die später im Jahr nicht mehr unterhalten werden müssen und dann gegebenenfalls wieder kollabieren. All dies ist natürlich nicht im Sinne der Ameisen, so dass es im nächsten Jahr wieder ausgebessert oder aufgebaut wird. Je nachdem, in wie weit der Haufen eventuell durch robustere Strukturen und / oder einwurzelnde Vegetation an den Rändern Stabilisierung erfährt oder abschirmende Vegetation den Hügel vor Nässe und Schnee schützt, kann das den einen Haufen weniger stark betreffen als einen anderen.
Darüber hinaus aber gestalten (Wald-)Ameisen ihren Hügel auch um, z. B. im Falle zu starker Besonnung. Das kann sogar so weit gehen, dass es gar kein Hügel mehr ist, sondern eher eine flache Mulde. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Neststandort ganz (oder saisonal) aufgegeben wird und das Material an anderer Stelle aufgehäuft wird.
Wenn ein Volk (bei Waldameisen ja gerne mal mit einigen Tausend Königinnen) sich auf mehrere "Wohnorte" mit jeweils eigenem Hügel verteilt (also polydom ist), kann der zwischen den Nestteilen stattfindende Materialtransport auch zu einem jahrzeitlichen auf und ab führen, wenn daran Knappheit besteht. Theoretisch könnte ein Hügel (ohne eigene Königinnen) als Teil einer polydomen Kolonie rein als Solarium für Brut aufgebaut und genutzt werden (welche vielleicht mangels Platz in den anderen Hügeln ausgelagert werden soll), und das Material dann nach abgeschlossener Entwicklung des Nachwuchses wieder auf andere Hügel verteilt werden.
Aber generell sind Ameisen an einer stabilen Umgebungssituation und damit auch am Bestehenbleiben ihrer Materialhügel interessiert, so dass ich eher vermute, dass es in Ihrem Fall den eingangs erwähnten Kräften und Prozessen zuzuschreiben ist, dass der Haufen über den Winter "eingeebnet" wird.

Viele Grüße

Holger

> Bei mir (Niederbayern) gibt es am Waldrand, auf einen Baumstock
> "Waldameisen".
> Das Besondere daran ist, dass über dem Winter der Ameisenhaufen mehr
> oder weniger verschwindet, die Ameisen über den Sommer hin den Haufen
> wieder aufbauen.
> Dass die Tiere unter dem Baumstock überwintern, ist klar.
> Tun dies nur eine bestimmte Art oder ist dies für alle Waldameisen
> mehr oder weniger normal?
> Ich denke hier vorallem an manche riesigen Ameisenhaufen...

Beiträge in diesem Thread

[ Thread ansehen ] [ Antwort schreiben ] [ Zurück zum Index ] [ Vorheriger Beitrag ] [ Nächster Beitrag ]

www.entomologie.de - Forum wird administriert von C. Lehmann, T. Tolasch & P. Zábranský mit WebBBS 5.12.