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Re: Präparation geschützter Insekten

Geschrieben von: Klaas Reißmann
Datum: 10.April 2013, 19:08 Uhr

Antwort auf: Re: Präparation geschützter Insekten (Gerald Schneider)

Moin Gerald,

so leicht ist es leider nicht mit den Naturschutzgebieten oder den Biotopen. Man kann leider keine Pauschalaussage tätigen, da das gesagte für ein Biotop stimmt, für das nächste völlig verkehrt sein kann.

Nehmen wir z.B. unsere Heideflächen. Im Osten der BRD gibt es noch ausgedehnte, riesengroße Heideflächen. Deren zustand ist aber lange nicht mehr so gut, wie er zur Zeit der wiedervereinigung war. Man verflucht die Bundeswehr oder andere Armeen immer, aber ihre Übungen in solchen Gebieten haben durchaus naturschützerischen Wert und sollten wieder aufgenommen werden.

Begehungsverbote von Biotopen machen durchaus Sinn. Wie Christian bereits schreibt, ist z.B. ein Moor ein derart empfindlicher Bereich, dass die Betretung durch wenige Besucher abseits der Wege schon Probleme bereiten und das Biotop zumindest partiell zerstören kann. In einem Heidegebiet sieht das, je nach Arteninventar, völlig anders aus. Auch kann man überlegen, ob man Betretungsverbote nur für bestimmte Zeiträume ausspricht.

So könnte man das Betreten von Heidegebieten abseits der Wege für den Zeitraum aussprechen, in dem z.B. dort vorkommende bodenbrütende Vogelarten (z.B. Heidelerche) ihrem Brutgeschäft nachgehen. Da könnte man z.B. sagen Ende Anfang April bis Ende September nur Wege und in den anderen Monaten darf man querfeldein gehen. Das ganze muss man dann ggfs. noch in Abhängigkeit der Größe des Biotops selber betrachten. Ein Biotop mit einer Fläche von einem Hektar und einem Besucherdruck von 1.000 Personen am Tag hat logischerweise ganz andere Probleme, als ein Biotop mit einer Fläche von 10.000 Hektar und einem Bescuherdruck von 100 Personen am Tag.

Solche Überlegungen sind unseren Ämtern aber zuviel Arbeit und fordern entsprechendes Fachwissen. Dabei wird für so viel sinnlosen Scheiß Geld ausgegeben, dass man sich fragen muss, wo hier das Problem liegt? Wohl am ehesten in der Bequemlichkeit und in der Tatsache, dass es so ist, wie Christian sagt: Aktionismus der Behörden, möglicherweise sind die Behörden völlig überfordert oder es ist eh nur das Opium für das Volk, das Interesse am Naturschutz hat.

Eine Gruppe Menschen, die mit einem Ranger querfeldein geht, ist immer kontraproduktiv, weil zuviele Personen auf einmal auf der gleichen Fläche rumtrampeln.

Der beste Biotopschutz liegt eh in der Größe der biotope. Untersuchungen haben gezeigt, dass nur wenige Prozent der Besucher mehr als 1.000 m weit in ein Biotop rein geht. Nehmen wir einen Wald, der kreisrund in der Fläche ist, im Durchmesser 6 km und sternförmig mit Parkplätzen am Rand versehen ist. Die ersten 1.000 m sind stark frequentiert. hier wird sich etwa 70 - 80% des Besucherverkehrs abspielen. auf den zweiten 1.000 m hast Du noch zwischen 20 bis 30% des Besucherverkehrs. Und meines Wissens findet man in den dritten 1.000 m nur noch den Kern der harten Besucher, der sich im Rahmen zwischen 2 und 5% abspielt.

Habe ich also ein Biotop, 2000 m breit und 5000 m lang und nur einen Parkplatz am Kopfende, der nur 50 Fahrzeuge zuläßt, spielt sich das Geschehen in den ersten 100 Hektar des Geländes ab, insbesondere, wenn ich dort ein ausgebautes Wegenetz habe. Je unzugänglicher ich den Rest mache, desto weniger ist da los. Und wenn da nur ein Weg rein geht und genau dieser Weg führt auch raus, wird man ab den dritten 100 Hektar nur alle paar Tage mal jemanden sehen. Und das ist dann praktizierter Naturschutz.

Sind die Gebiete kleiner, muss ich richtig planen, denn viel Verhalten in der heutigen Zeit sorgt nur für Unverständnis auf der Seite der Bevölkerung. Da sollten Maßnahmen gut überlegt sein und diese sollten dann auch der Bevölkerung näher gebracht werden. Erklärung tut Not.

Aber: wenn hier jemand auf dem Wegenetz bleibt und alles an Insekten einfängt, was am Wegrand zu erwischen ist, beeinträchtigt dieses Verhalten weder das Biotop, noch eine der Insektenarten, die in diesem Biotop vorkommen.

Es ist einfach so, wie es hier vertreten wird. Die Naturschutzgesetze sind nicht viel wert, weil sie nicht das schützen, was geschützt werden muss, um die Natur zu erhalten. Der Fang von Insekten, bzw. Invertebrata allgemein, ist hier völlig ohne Bedeutung, solange mit manuellen Methoden gesammelt und das Wegenetz nicht verlassen wird (es sei denn man hat eine Ausnahmegenehmigung). Das Sammelverbot von Invertebraten wird nicht verhindern, dass die Roten Listen größer werden, weil das Sammeln noch keine einzige Art in die Rote Liste gebracht hat. Deshalb kann ich nur nochmal sagen:

> Trotzdem,auch wenn die "Entnahme"von Insekten aus der Natur
> nicht relevant für die Erhaltung einzelner Arten ist,so sollten wir
> doch die Restlichen schützen.Zumal die roten Listen grösser werden.

Der Schutz des Individuums hilft nicht. Der Schutz des Individuums ist nicht einen Cent wert. Der einzige Individuumsschutz, der Sinn macht, ist ein Verbot diese Tiere zu handeln. Und selbst das würde bei den heimischen Arten keinerlei Probleme erzeugen. Der Artenschutz ist nur Opium für das volk. Würde unser Staat den Biotopschutz konsequent verfolgen und nicht hier eine Straße durch ein Gebiet genehmigen, dort eine Bahntrasse etc. pp., würden die entsprechenden Biotope ausgewiesen werden als NSG, gäbe es kaum noch Probleme.

So muss der Naturschützer heute kämpfen, dass in Wäldern, die NSG sind, keine Bäume gefällt werden oder gar mit Hammergiften die Maikäfer- oder Raupenplage bekämpft wird, dass keine Bahntrasse durch das Biotop geführt wird (siehe Lampertheimer Wald in Hessen, in dem der Bau einer ICE-Trasse durch das FFH-Gebiet geplant ist) etc. Das problem ist einfach nicht das Sammeln, sondern dass ein NSG nichts mehr wert ist, außer 50 Euro pro Quadratmeter, wenn jemand ein Einkaufszentrum dorthin setzen will und Arbeitsplätze verspricht.

Viele Grüße
Klaas

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