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Re: Präparation geschützter Insekten

Geschrieben von: Christian S-E
Datum: 10.April 2013, 16:19 Uhr

Antwort auf: Re: Präparation geschützter Insekten (Gerald Schneider)

Hi Gerald,

zwei Kommentare zu deinen Aussagen:

1. Die Dichte (Menge) der Insekten wird in der Regel über die Larvalhabitate und nicht über die Imagines geregelt. Das bedeutet im Klartext, dass es mehr Insekten gibt, wenn es mehr Ressourcen für Larven gibt. Die Imagines der meisten Arten landen sowieso zu 95% im Magen von Vögeln oder Spinnen/Raubinsekten. Doch die restlichen 5% legen genug Eier, um die Population am Leben zu erhalten. Daher spielt es für den Erhalt der Population schlicht und einfach keine Rolle, wenn man ein paar Tiere für seine Sammlung fängt. Kritisch wird es vor allem, wenn man Larven z.b. von Prachtkäfern oder Glasflüglern sucht und dabei die Bruthölzer zerstört.

Daher muss man sich in der Diskussion entscheiden, ob man den Fang der Tiere gesetzlich verbietet, um sie zu "schützen" (dieses Argument ist nicht haltbar) oder um andere Zwecke damit zu verbinden, wie Aktionismus der Naturschutzbehörde vorzutäuschen.

2. Zum Entdeckerdrang: Nicht jeder fordert für "seine" Tiere den vollständigen Schutz der Habitate. Ich arbeite zum Beispiel mit Wildbienen und Wespen, die vor allem in der reich strukturierten Normallandschaft vorkommen. Dort profitieren manche Arten sogar durch den Menschen, weil die Arten z.B. auf Wegen oder an anderen "Störstellen" nisten.

Doch viele Lebensräume in Deutschland müssen ganz einfach vor Menschen geschützt werden, weil sie sonst ganz schnell kaputt gehen. Ein Beispiel sind Hochmoore, wo ein Fussabdruck oft jahrzehntelange Aufbauarbeit zerstört. Auf Magerrasen zertrampeln Fotografen oft die Jugendstadien seltener Orchideen, wenn sie die wenigen blühenden Pflanzen fotografieren. Und vielfach dienen Schutzgebiete vor allem den Interessen von brütenden Vögeln, weil diese große Fluchtdistanzen haben und mit Menschen überhaupt nicht klarkommen. Den dort lebenden Insekten oder Lurchen wären die Menschen meist egal.

Davon abgesehen gibt es in Deutschland noch genügend Raum, wo du deiner Entdeckerfreunde frönen kannst, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. So viele NSGs gibt es jetzt auch nicht.

Gruss, Christian

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