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Re: Präparation geschützter Insekten

Geschrieben von: Klaas Reißmann
Datum: 9.April 2013, 17:02 Uhr

Antwort auf: Re: Präparation geschützter Insekten (Gerald Schneider)

Moin Gerald,

> es sollte aber ein Hahn krähen,wenn geschützte Tiere getötet
> werden,und nicht indirekt zum Halali für Hobby- Entomologen aufrufen!

das ist immer alles relativ. Genau wegen dieser extremen Auslegungsweise fehlt es heute an allen Ecken und Enden an Experten im Bereich der Invertebrata. Was für Vertebrata Sinn macht, nämlich die Jagd nach dem Einzelindividuum zu verbieten oder zu reglementieren, da es hierdurch zu einer Gefährdung oder gar Ausrottung der Art kommen kann, macht bei den Invertebrata keinen Sinn.

Genau die Leute aber, die nach dem Schutz eines jeden einzelnen Tieres krähen, sind diejenigen, die am lautesten schreien, wenn sie keinen Deppen mehr finden, der ihnen das Biotop inventarisiert. Oder es wird, wie oft genug erlebt (auch von Vereinen, die sich den Naturschutz auf die Fahnen geschrieben haben), einfach gemacht und dann viel mehr kaputt gemacht, als wieder ins Lot gerückt.

Invertebrata kann man nun mal nicht so aus der hohlen Hand geschissen bestimmen. Da bedarf es Übung und Erfahrung und all zu oft einer Vergleichssammlung. Der Gesetzestext ist an dieser Stelle ausgesprochen kontraproduktiv, da die Vermehrungsrate der Invertebrata verhindert, dass man auch nur im Ansatz in der Lage ist diese mit manuellen Sammelmethoden in ihrem Bestand in Bedrängnis zu bringen oder gar zu gefährden.

Es gibt ausreichend Belege, wo Sammler in den Anfängen des 20. Jahrhunderts jedes Jahr ins gleiche Biotop gegangen sind, um z.B. Parnassius apollo zu fangen. Die wurden in einzelnen Jahren in unglaublichen Mengen aus dem Biotop geholt, dass selbst ein hartgesottener Entomologe schlucken muss. Trotzdem hat es die Population nicht im geringsten in ihrem Fortbestand gefährdet. Im nächsten Jahr wurden die gleichen Mengen gefangen und das Spielchen ging über viele Jahre oder gar Jahrzehnte weiter. Verschwunden sind die Arten immer erst nach einer Flurbereinigung oder anderen massiven Eingriffen, bei denen das Biotop zerstört wurde. Die seltenen Arten der xylobionten Käfer sind nicht selten, weil der böse Sammler sie entnimmt, sondern weil Bäume gefällt werden, bevor sie interessant werden oder weil sie interessant sind. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich erleben musste, dass gefällt wurde, darauf abzielend die seltene Art zu bekämpfen, weil Forstbehörden die Macht nicht abgeben wollen, weil man Angst hat, dass die Waldwirtschaft nur noch unter auflagen möglich ist.

Man kann jetzt darüber streiten, ob man im Net direkt oder indirekt dazu aufrufen soll gegen bestehendes Recht zu verstoßen. Fakt ist, dass in der Regel kein Hahn danach kräht, wenn Insekten gesammelt werden, weil auch die Behörden mit der Kirche im Dorf bleiben. Und nicht umsonst wird sowas in der Regel, wenn denn überhaupt, erstmal mündlich ermahnt und bei Wiederholung als Ordnungswidrigkeit behandelt und kostet dann etwa 25 Euro.

Wichtig ist nicht der Artschutz, abgesehen von einem Verbot Geschützte Arten zu handeln. Wichtig ist der Biotopschutz. Und hier stimme ich zu, dass Naturschutzgebiete u.ä. nur mit besonderer Genehmigung abseits der Wege betreten werden sollten und dürfen und möglichst unzugänglich sein sollten, also kein "super" Wegenetz haben sollten. Die Entnahme einzelner Invertebrata vom Wegrand hingegen sollte ohne Folgen bleiben, weil dies im Sinne des Naturschutzes völlig irrelevant ist.

Aber: der Gesetzestext besagt, dass die gesondert geschützten Arten nicht gesammelt werden dürfen. Ich weise also darauf hin, dass jeder für sich selbst zu entscheiden hat, ob er mit oder ohne Genehmigung sammelt. Ich rufe hier nicht dazu auf, gegen geltenddes Recht zu verstoßen, sondern weise darauf hin, dass das Recht falsch ist und geändert, verbessert werden muss.

Wer aber bei mir in der Nähe wohnt (NRW, Kreis Wesel) kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen, damit ich ihn oder sie mit in die Botanik nehme und gewissermaßen anleite. Es gibt eh zu wenig von unserer Sorte. Entomologen sollten auch per Gesetz geschützt werden, da eine aussterbende Zunft und zukünftige technische Methoden die Probleme nicht beseitigen werden.

Viele Grüße
Klaas

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